WAS IST TELELERNEN

Telelernen – auch open distance learning oder Distanzlernen - bedeutet Lernen am und mit dem PC mit Unterstützung über ein Netz und kennzeichnet sich durch seine Ortsungebundenheit. Als Basismedium können Skripten, Bücher, CBTs (Computer Based Training) und "Lernplätze im Internet" dienen, wobei sich zur Zeit die CBTs als Standard etabliert haben. Bedeutend beim Telelernen ist die Netzunterstützung, die durch einen ausgebildeten Teletrainer über E-Mail, Chatroom und/oder Videokonferenz angeboten werden kann. Die Evaluation des Telelernens kann sowohl über das Internet durch standardisierte Tests, als auch in einer Präsenzphase stattfinden.

BEGRÜNDUNG FÜR DAS TELELERNEN

Wirtschaftliche Interessen:
Weiterbildung wird mehr denn je zu einem wesentlichen Grundbestandteil der Unternehmensstrategien. Die Kosten für Mitarbeiterweiterbildung in Form von Seminaren steigen jedoch rasch in schwindelerregende Dimensionen. Durch das Telelernen besteht nun die Möglichkeit durch ein Lernpaket (meist eine CBT und Betreuungsmöglichkeit über das Netz) diese Inhalte aufzubereiten und das Lernen in den privaten Bereich zu verlegen. Das Einsparungspotential ist enorm.

Interessen der Erwachsenenbildungseinrichtungen:

ANFÄNGE DES TELELERNENS

Deutsche Telekom: Vorreiter war die Deutsche Telekom die bereits in den 80er Jahren ihre Mitarbeiter auf der Basis des Telelernens weiterbildete. Zu Beginn wurde eine Kombination zwischen CBT, Betreuung über ein Netzwerk und Schulfunk in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk installiert.

SINNVOLLES TELELERNMODELL AM BEISPIEL WIFI

Die ursprüngliche Intention gesamte Kurse durch Telelernen in den privaten Bereich auszulagern scheiterten, gegen alle Prognosen, einerseits an der mangelnden Akzeptanz der Teilnehmer, als auch an deren mangelnden PC-Ausstattung bzw. PC-Kenntnissen. Die Grundannahme, daß die Bedienung eines PC bereits zu einer grundlegenden Kulturtechnik, neben lesen, schreiben und rechnen geworden sei, erwies sich dabei als zur Zeit noch nicht gegeben.

Aus diesem Grund erschien ein Modell, das sich aus folgenden Komponenten zusammensetzt sinnvoll:

LERNPROGRAMME

Als Basis für das Selbst- und Telelernen haben sich zur Zeit Lernprogramme auf CBT (Computer based training) etabliert, die von den Lernenden interaktiv bearbeitet werden können. Man unterscheidet dabei sogenannte Expertensysteme und Autorensysteme.

CBT MIT NETZUNTERSTÜTZUNG – DER IST-STAND DES TELELERNENS

Auf die Basis solcher Lernprogramme, sei es auf CBT oder als Inhalte im Internet, setzt das Telelernen auf. Der Schwerpunkt liegt hier in der Betreuung über das Internet. Ein ausgebildeter Teletrainer steht über E-Mail, Chatroom oder Videokonferenz, sofern das Equipment vorhanden ist, zu bestimmten Zeiten zur Verfügung. Allerdings ist das Anforderungsprofil an einen Teletrainer nicht zu unterschätzen. Neben dessen fachlicher Qualifikation, sind natürlich der professionelle Umgang mit den Einrichtungen, aber auch die Fähigkeit mit der sehr eingschränkten Interaktionsmöglichkeit (im schlimmsten Fall nur Kommunikation über Texte) zu arbeiten, gefordert. Gerade in diesem Bereich empfiehlt sich eine gezielte Teletrainerschulung.

Ein wesentlicher Faktor des Telelernens ist eine einheitliche Telelernoberfläche und deren einheitliche Bedienbarkeit. Ein Telelernender muß sich leicht und gezielt auf einer Telelernoberfläche zurechtfinden und auf die Homogenität der Telelernangebote verlassen können.

GRENZEN DES TELELERNENS

Die Grenzen des Telelernens liegen vor allem darin, daß sich Lernprogramme fast ausschließlich auf kognitive Inhalte beschränken. Einstellungen und Gefühle werden nach wie vor in einem gruppendynamischen Lernprozeß unter Führung eines Lehrbeauftragten zu vermitteln sein.

Des weiteren dürfen die hohen didaktischen Anforderungen an die Autoren der Lernprogramme, die erfahrungsgemäß häufig an die Frustrationsgrenze stoßen, nicht unterschätzt werden. Diesen Anforderungen gerecht zu werden ist umso schwieriger je größer der Umfang des aufzubereitenden Inhaltes wird.

Eine noch nicht abschätzbare Grenze könnte das Anforderungsprofil der Teletrainer darstellen, das zur Zeit noch recht diffus umrissen ist, da es hier kaum Erfahrungswerte gibt.

VOR- UND NACHTEILE DES TELELERNENS

Für den Telelernenden: Die Vorteile des Telelernens liegen neben den finanziellen Einsparungen bei Kurs- und Fahrtkosten vor allem in der Möglichkeit ein den Bedürfnissen entsprechendes Lerntempo zu wählen und den Inhalt, ohne sich zu blamieren, beliebig oft zu wiederholen und durchzuarbeiten. Die Nachteile liegen in erster Linie im Fehlen sämtlicher sozialer Aspekte des traditionellen Unterrichts und der nur eingeschränkt möglichen individuellen Betreuungsmöglichkeit. Dazu kommt, daß das Telelernen eine Grundausstattung bzw. Grundkenntnisse am PC voraussetzt.

Für den Telelernanbieter: Die Vorteile des Telelernanbieters liegen vor allem im Einsparungsbereich. So wird hier an Lehrbeauftragten, Lehrsaaleinrichtungen und Betriebskosten eingespart und die durch den Erwachsenenbildungsboom entstandene Raumnot abgeschwächt. Zusätzlich wird durch das Telelernen die Zielgruppe hinsichtlich erweitert, daß auch Lernwilligen, die in örtlich weiter entfernten Gebieten wohnen oder denen die Kurszeiten aus beruflichen Gründen nicht entgegenkommen, die Möglichkeit geboten wird das Kursangebot zu nützen. Die Nachteile für den Anbieter liegen in den doch recht hohen Entwicklungskosten des Telelernens.

ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN

Das Telelernen kann wohl nicht als Ausweg aus der Misere der Wissensflut, die auf uns hereinströmt, und als "die" Chance der Erwachsenenbildung gesehen werden, sie ist aber eine zusätzliche attraktive Form des Lehrens und Lernens in allen schulischen und weiterführenden Bereichen. Angemerkt sei noch, daß sich das Telelernen trotz aller Anstrengungen noch in den Kinderschuhen befindet und seine Attraktivität mit den sich ständig verbessernden technischen Rahmenbedingungen wahrscheinlich steigt. Die Endausbaustufe stellt dann wohl das verwirklichte Transmobile Lernen im Cyberspace dar, bei dem sich eine Person einen bestimmten Lernort im Netz sucht, den dort abgelegten Inhalt bearbeitet und nach positiver Evaluation ein Zertifikat zugesandt bekommt.