Eine Vortragsreihe zum Thema "Lernen per Internet" im Hörsaal und am Web


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Lernen am Arbeitsplatz

Bearbeitung des Themas

Im Rahmen der LV: 015.005 - AK der Informations- und Kommunikationssysteme

Wilhelm Jütte

e-mail: e9126530@stud3.tuwien.ac.at

 

1. Einleitung

Mit der Abnahme der Halbwertszeit professionellen Wissens, welche sich vor allem seit etwa 30 Jahren progressiv entwickelt, hat die Bedeutung beruflicher Weiterbildung in gleichem Maße zugenommen. Begriffe wie "Lebenslanges Lernen", "Lernen am Arbeitsplatz" oder "Knowledge Management" sind nicht nur in aller Munde, sondern haben sich zu unverzichtbaren Management- und Personalentwicklungswerkzeugen in Unternehmen aller Größen und Branchen entwickelt. Damit ist die berufliche Weiterbildung von der Sozialleistung oder Gratifikation zum zentralen Instrument der Realisierung ökonomischer Ziele geworden [1]. Betriebliche Weiterbildung ist aus modernen Unternehmen nicht mehr wegzudenken.

 

2. Berufliche Bildung & neue Technologien

Durch die rasanten Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie tritt die betriebliche Bildung nun in eine vollkommen neue Phase. Die durch diese Entwicklungen entstehenden neuen Lerntechniken und -medien (in weiteren unter dem Begriff CBT - Computer Based Training - zusammengefaßt) kommen den Anforderungen betrieblicher Bildung dabei in einer noch nie dagewesenen Art und Weise entgegen, stellen aber in vielerlei Hinsicht auch eine große Herausforderung dar und bergen neben den ihnen nachgesagten Chancen auch nicht zu unterschätzende Risiken.

Prinzipiell können sich durch den Einsatz von computer- und netzwerkgestützten Lerntechniken im betrieblichen Bildungswesen folgende Vorteile ergeben:

  • Individualisierung des Lernvorganges (bez. Tempo, Inhalt, Abfolge, etc.)
  • Freie Einteilung der Lernzeit und damit zeitliche Integration des Lern- in den Arbeitsvorgang
  • Örtliche Unabhängigkeit des Lernprozesses
  • Permanenter, einfacher und schneller Zugang zu einem sich ständig erweiternden bzw. Lernangebot bzw. zu archivierten Lerninhalten
  • Hohe Lerneffizienz durch Anwendung interaktiver Lerntechniken (kybernetische Pädagogik) und -systeme auf dafür geeignete Inhalte
  • Neue Möglichkeiten effizienten, gruppenbasierten Lernens sowie des Tele-Lernens
  • Rationalisierungspotentiale (siehe unten)
  • Einfache Verwaltung, Distribution, Adaptierung bzw. Erweiterung von Lehrmaterial und Schulungsdaten

Diesen Vorteilen stehen folgende (teilweise gravierende) Probleme gegenüber:

  • Hohe Anfangsinvestitionen
  • Hohe Produktionskosten bzw. Ressourcenbedarf bei der Herstellung computerbasierter Lernsoftware
  • Didaktische Schwächen neuer Lernsysteme
  • Aufwendige Implementation von CBT-Systemen (Mitarbeitermotivation, Akzeptanz, etc.)
  • Zunehmend schwieriger werdende Differenzierung zwischen Lern- und Arbeits- bzw. Freizeit
  • Ein (momentan) unübersichtlicher und unstrukturierter Markt ohne zureichende Qualitätsstandards

 

3. CBT im Unternehmen

Die typischen Eigenschaften von CBTs sind besonders für die Weiterbildung am Arbeitsplatz von besonderem Nutzen. Grundsätzlich kann durch den Einsatz neuer Medien auf die charakteristischen externen Anforderungen der betrieblichen Bildung - sie kann nur selten kontinuierlich und in langen Zeiträumen erfolgen, sie soll sich eng auf Anforderungen am Arbeitsplatz beziehen und leicht in berufliches Handeln umsetzbar sein - durch die Möglichkeiten individualisierten, kontinuierlichen Lernens, den vereinfachten Zugang zu Bildung im Betrieb (Computer am Arbeitsplatz) und die Möglichkeit, an jedem Ort, zu jeder Zeit auf die vorhandenen Bildungsressourcen zurückgreifen zu können, sehr effizient eingegangen werden.

Darüber hinaus ergeben sich durch den Einsatz von CBT, besonders in größeren Unternehmen, auch eine Reihe von Rationalisierungsmöglichkeiten:

  • Ein höherer Teilnehmerdurchlauf führt - anders als bei konventionellen Seminaren - zu einer Senkung der Weiterbildungskosten pro Teilnehmer.

  • Freistellungskosten (Opportunitätskosten) - und die mit der Freistellung verbundenen organisatorischen Probleme - können erheblich gemindert werden. Die Weiterbildung kann während Leerzeiten des Arbeitstages absolviert werden. Auch direkte Nebenkosten der Weiterbildung wie Reise- und Sachkosten werden reduziert.

  • Selbstorganisierte Weiterbildung mit interaktiven Medien ermöglicht eine Individualisierung der betrieblichen Weiterbildung nach dem Bedarf der einzelnen Mitarbeiter und den Anforderungen ihrer Arbeitsplätze.

  • Mit dem Einsatz der neuen Medien ist eine Standardisierung der betrieblichen Weiterbildung verbunden; die Qualifizierung wird weniger von individuellen Besonderheiten von Dozenten beeinflußt; Qualitätssicherung ist auf Grundlage der eingesetzten Materialien somit teilweise vorab möglich.

  • Die Integrationsfähigkeit von Lernsystemen in den Arbeitsprozeß (wobei genau und nur das gelernt werden kann, was momentan benötigt wird)

  • Leichte Adaptierbarkeit (z.B. Internationalisierbarkeit) der neuen Medien

All diese Vorteile sollten nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Einführung solcher Systeme und damit das Umstellen des gesamten betrieblichen Bildungswesen enormer Anstrengungen bedarf, und das neben den technischen, infrastrukturellen (die hohen Anfangsinvestitionen benachteiligen vor allem kleinere Unternehmen) sowie technisch-didaktischen Problemen (fehlendes didaktisches Fachwissen der Hersteller bzw. fehlende Qualitätsstandards) auch soziale sowie arbeitstechnische Schwierigkeiten auftreten können, die vor allem auf folgende Ursachen zurückzuführen sind:

  • Alters- und vorbildungsbedingte Probleme mit dem Medium Computer
  • Unzureichender, ungestörter Zugang zu geeigneten Computern
  • Mangelnde Abgrenzung von Lern- zu Arbeits- und Freizeit
  • Motivationsprobleme bedingt durch
  • Schwächen der Software
    • Didaktische Mängel
    • Ungenügende Zielgruppenorientierung
    • Kein selektives bzw. zielgerichtetes Lernen möglich

    • Keine Rücksicht auf unterschiedliches Vorwissen
    • Mangelnde Benutzerfreundlichkeit bzw. gestalterische Qualität

  • Unzureichende Vorbereitung und Betreuung der Mitarbeiter bez. der geänderten Lernsituation

 

4. Ausblick

Um die zukünftige Entwicklung von CBT-Systemen abschätzen zu können, muß berücksichtigt werden, daß der Markt für computer- und vor allem netzwerkgestützte (zusätzliche Kommunikations-, Interaktions-, Kooperationsmöglichkeiten) Lernmedien stetig wächst. Dabei ist ein starkes Ungleichgewicht zwischen Europa und den USA zu beobachten, wo sich der Markt für CBT von 178 Millionen Dollar im Jahr 1997 auf 1,8 Milliarden Dollar in 2001 verzehnfachen und dann einen Anteil am gesamten amerikanischen Weiterbildungsmarkt von mehr als 15 Prozent haben wird [4]. Die Ursachen dafür sind zum einen in der längeren Tradition in Tele-Lehrgängen in den USA und zum anderen in der größeren Akzeptanz von Computertechnologie im Privatbereich sowie am Arbeitsplatz zu finden. So setzt 1999 in Deutschland erst jeder vierte Klein- und Mittelbetrieb multimediale Lerntechniken und nur rund 7% netzgestützte Lernmedien in der betrieblichen Weiterbildung ein. Fast 50% (vor allem Betriebe mit unter 100 Mitarbeitern) der befragten Unternehmen planen in näherer Zukunft gänzlich auf den Einsatz neuer Medien zu verzichten [2]. Hinzu kommt, daß der Markt für CBT in Europa von Kleinunternehmen dominiert wird (im Schnitt beschäftigen drei Viertel aller europäischen CBT-Produzenten höchstens zehn Mitarbeiter). Das wiederum wirkt sich negativ auf die Einführung einheitlicher Qualitätsstandards und die vielerorts geforderte Kompatibilität von CBT-Produkten verschiedener Hersteller - vorallem im sprachlich inhomogenen EU-Raum - aus.

Computerbasierte Lernsysteme im betrieblichen Bildungswesen werden sich mit der zunehmenden Verbreitung und Akzeptanz des Internets und der damit verbundenen weiteren Durchsetzung des Arbeits- sowie Privatbereichs mit Computertechnologie weltweit durchsetzen, wobei der europäische gegenüber dem amerikanischen Markt auch mittelfristig zurückbleiben wird. Allerdings werden sich nach der momentanen, allerorts geäußerten Euphorie bezüglich Lernen, Computer & Internet jene Anwendungsfälle (bez. Inhalt, Organisationsform, Intensität, Teilnehmerzahl, etc.) herauskristallisieren, die eine effiziente Nutzung dieser neuen Medien erlauben und damit zu einer echten und meßbaren Verbesserung der Weiterbildungssituation im Unternehmen beitragen werden.

 

Literatur

  1. Wuppertaler Kreis e.V.: Neue Medien in der betrieblichen Bildung - eine Bestandsaufnahme. 23.12.1997, (6..5.2000).
  2. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Netzbasiertes Lernen ist notwendig für Weiterbildung und Wettbewerbsfähigkeit im Mittelstand. 7.3.2000.
  3. Payne, John: Workers as learners and learners as workers: exploring the boundaries of workplace learning. 15.11.1997, (10.2.2000)
  4. Informationweek, Issue 24: CBT-Lernen ohne Lehrer (6.5.2000).
  5. Office of Learning Technologies - Human Resources Development Canada: Online Forum on Workplace Learning Centres. 24.2.2000, <> (6.5.200).
Lernen per Internet,
Vortragsreihe im Sommersemester 2000
an der TU Wien
letzte Änderung: 23.3.00

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oder an lena.doppel@iot.at

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