Eine Vortragsreihe zum Thema "Lernen per Internet" im Hörsaal und am Web


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"Lernen am Arbeitsplatz": Gegendarstellung von Larissa Naber (larissa@xphys.tuwien.ac.at) zum Beitrag von Wilhelm Jütte
 
 
 
 

Wenn WBT die Lösung ist, was war das Problem?

Lernen am Arbeitsplatz

Ist WBT ein geeignetes Mittel für die betriebliche Weiterbildung? Für alle Mitarbeiter, oder nur für einige?

Wer Trainererfahrung in der Erwachsenenbildung hat kennt das Problem: 30 bis 40 % der Teilnehmer eines Kurses zeigen wenig bis kein Interesse am gebotenen Inhalt. Angesichts dieser Tatsache, verwundert es nicht, wenn Firmen die teils beträchtlichen Kosten (Seminar- und Opportunitätskosten) reduzieren möchten.

Allerdings wird dabei das Kind oft mit dem Bade ausgeschüttet: selten wird die Ursache des vermeintlichen Desinteresses am Kursinhalt untersucht. Von den 40 % wenig Interessierten betrachtet nämlich nur ein Viertel den Kurs als "bezahlten Urlaub", die anderen sind häufig im falschen Kurs (zu leicht, zu schwierig), oder haben einen Lernstil, der mit der klassischen Seminarsituation nicht vereinbar ist.

Kann man nun die einzelnen Problemfelder

  1. Kostenreduktion: Seminarkosten
  2. Kostenreduktion : Opportunitätskosten
  3. falsche Kurswahl
  4. inkompatibler Lernstil
mit WBT lösen?

Seminarkosten

Handelt es sich um "08-15 Seminare" wie z.B. Computereinsteiger Kurse, oder Buchhaltungskurse, so lassen sich höchstwahrscheinlich Kostenvorteile erzielen. Bei firmenspezifischen Inhalten lohnt sich die CBT/WBT Entwicklung wohl erst ab einigen 100 Personen (siehe Milchmädchenrechnung)

Opportunitätskosten

WBT
Learn anything anytime anywhere?
Anything = Firmenspezifische Informationen?
anytime = nach Dienstschluß?
anywhere = daheim?
Wenn man WBT so betrachtet ergibt sich vermutlich eine Verminderung der Opportunitätskosten. Geht man aber davon aus, daß die Inhalte sehr wohl in der Arbeitszeit erarbeitet werden sollen, kommt man um einen eigenen Schulungsraum in der Firma nicht herum. Direkt am Arbeitsplatz wäre die Zahl der Störungen einfach zu groß. WBT für die Totzeiten (in der Telephonwarteschleife hängen) ist wohl eher eine Illusion. Ob das Entfallen der Opportunitätskosten für Anfahrtszeiten, den Kostenaufwand für das Anschaffen von Equipement aufwiegt, wird wohl von Firma zu Firma unterschiedlich sein. Der erhöhte Zeitaufwand, bedingt durch Computerprobleme, wird häufig außer acht gelassen.

Falsche Kurswahl

Auch bei WBT kann man den falschen Kurs buchen - es sei denn, man verfügt über ein einziges globales Programm, das alle möglichen Lerninhalte bereithält und dem jeweiligen Kenntnisstand des Schülers anpaßt (so ein Programm wäre allerdings wirklich sehr teuer in der Entwicklung).

Inkompatibler Lerntyp

Geht man von einer Unterteilung der Lerntypen nach NLP (Neuro-Linguistisches-Programmieren) aus, so unterscheidet man

  • Visuelle
  • Auditive und
  • Kinestäten
Während Auditive gut, und Kinestäten halbwegs gut mit der typischen Seminarsituation umgehen können, fühlen sich die Visuellen eher irritiert. Der Visuelle bevorzugt das Lernen aus Büchern und anderen schriftlichen Unterlagen (bevorzugt bebildert), während der Auditive den Stoff gerne hört und darüber diskutiert. Beim Kinestäten steht das Erleben im Vordergrund, er lernt am liebsten durch Beispiele. Ein Visueller wird also ein gut gemachtes CBT/WBT Programm annehmen (ausreichende Computerkenntnisse vorausgesetzt), während der Auditive und der Kinestät die Interaktion mit anderen missen werden.

Es zeigt sich also, das WBT keineswegs ein Allheilmittel für die berufsbegleitende Fortbildung ist, eher eine Ergänzung. Fortbildung, die auf den Schüler nicht abgestimmt ist, wird immer unrentabel sein.

Larissa Naber

Lernen per Internet,
Vortragsreihe im Sommersemester 2000
an der TU Wien
letzte Änderung: 23.3.00

Kommentare bitte an enzi@info.lzk.ac.at
oder an lena.doppel@iot.at

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