Eine Vortragsreihe zum Thema "Lernen per Internet" im Hörsaal und am Web


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"Benutzergerechte Mediengestaltung": Gegendarstellung von Martin Reismann (a9125359@unet.univie.ac.at) zum Beitrag von Larissa Naber

 

Die Autorin erweckt den Eindruck, sich bereits längere Zeit mit der Thematik zu beschäftigen und hat eine klar strukturierte Linksammlung erstellt, die jedem, der in die Thematik einsteigen will, eine Menge Recherchearbeit erspart. Die Linksammlung endet nicht bei den im Internet inflationär vorhandenen HTML-Styleguides, sondern berücksichtigt auch relevante Literatur aus dem "User Interface Design". Die Kapitelgliederung in "Grundlagen", "Lerntheorien", "Usability" und "Technik" ist intuitiv, entspricht meinen Erwartungen.

Es wird in dem Text vermieden, konkrete Antworten auf die Frage nach der richtigen Lerntheorie (oder der richtigen Technik) zu geben. Dies war aber offenbar auch nicht Zielsetzung der Arbeit.

Da ich - wie oben angedeutet - am generellen Design keine Kritik üben kann, wird sich meine Gegendarstellung auf einzelne Gesichtspunkte beschränken:

(1) Web Based Training, Internet Based Training und verwandte Konzepte (im folgenden Telelernen) sind derzeit massiv im Aufwind. Die Triebfeder dafür sind in den wenigsten Fällen die potentiellen Teilnehmer an solchen Telelern-Kursen, sondern die potentiellen Veranstalter (Universitäten, Fachhochschulen, [halb]staatliche und private Bildungs-Institute, Fortbildungsabteilungen großer Firmen). Die Gründe für diesen Trend sind klar: In den meisten Fällen sind Effizienzüberlegungen ausschlaggebend.

Aus der Sicht des Bildungskonsumenten (Studierenden, Arbeitnehmers etc.) ist die höhere Effizienz auf Seiten des Ausbildungsanbieters nicht unbedingt ein Vorteil, vor allem deshalb nicht, weil er durch Telelernen möglicherweise die Möglichkeit (den Zugang) zu einem "klassischen" Bildungsvorgang, wie z.B. ein Buch zu lesen oder eine Vorlesung zu besuchen, verliert. Um den Einsatz von Telelernen aus der Sicht des Konsumenten zu rechtfertigen, muß daher nach "Effizienzen" gesucht werden, die durch den Computereinsatz zusätzlich zur traditionellen Lernmethode entstehen, ohne daß sich dadurch neue Nachteile ergeben.

Diese Effizienzen aus der Sicht des Bildungskonsumenten sind:
(siehe auch http://www.xphys.tuwien.ac.at/lari/hyperlernen)

  • Ortsunabhängigkeit
  • Zeitunabhängigkeit
  • Spezifische Aufbereitung des Lehrstoffs
  • kostengünstiger?
  • schnelleres Lernen?

Dem stehen aus der Sicht des einzelnen neue Nachteile des Telelernens gegenüber:

  • Verlust an Sozialkontakten
  • schlechter Prüfungserfolg durch technische und administrative Mißverständnisse
  • Motivationsverlust durch fehlenden Lehrerbezug
  • Unfairness: leichte Möglichkeit der Prüfungsmanipulation
  • Gesundheitsschäden durch Bildschirmarbeit
  • Kostenargumente: Das Präsenzstudium an den Universitäten als Konkurrenz zum Telelernen ist in Österreich ohne direkte Kosten.

Ich bin der Meinung, daß es derzeit nur sehr wenige Telelern-Angebote gibt, die bei Abwägung aller Vor- und Nachteile einer klassischen Lernmethode überlegen sind. Wird eine Zertifizierung des Gelernten nicht benötigt, stellt das Buch noch immer eine einzigartig kostengünstige Alternative dar.

(2) Obwohl ich vom Telelernen in seiner reinen Fassung nicht überzeugt bin, halte ich eine kombinierte Form des Lernens für äußerst sinnvoll (z.B. Lehrveranstaltungsbeschreibung, Vortragsfolien und Skriptum im Internet, anonyme Feedbackmöglichkeit zu Vorlesungen via Internet.) So erhielte jeder einzelne Interessent einer Lehrveranstaltung aktuelle Informationen, bevor er die Entscheidung trifft, diese aktiv zu besuchen. Dies wäre an vielen Universitäten eine wesentliche Verbesserung gegenüber der gängigen Praxis, in der die Selektion der Kurse noch immer eine "black art" darstellt.

(3) Ich bin der Meinung, daß die momentanen technischen Gegebenheiten (HTML als beherrschender Visualisierungsstandard, Qualität aktueller Bildschirme) noch nicht ausreichen, um gutes Telelernen zu realisieren. Die Informationskapazität einer statischen Bildschirmseite ist derzeit noch geringer als die einer A4-Seite. Für die Vermittlung komplexer Zusammenhänge ist das zu wenig. "Scrolling" ist kein Ersatz für mangelnde Informationskapazität des Ausgabemediums.

 

Lernen per Internet,
Vortragsreihe im Sommersemester 2000
an der TU Wien
letzte Änderung: 23.3.00

Kommentare bitte an enzi@info.lzk.ac.at
oder an lena.doppel@iot.at

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